Heute hatten wir einen ganz tollen Gast. Nämlich den international prämierten Fotografen Florian W. Mueller aus Köln. Er hat sich bereiterklärt, uns etwas über seine Ausstellungen zu erzählen.
In seiner Ausstellung „Equilibrium“ beschäftigt sich der Fotograf Florian W. Müller mit der Schönheit und zugleich mit der Zerbrechlichkeit der Natur. In fünf unterschiedlichen Fotoserien rückt er Tiere und Pflanzen in den Mittelpunkt, die im Alltag häufig kaum wahrgenommen werden.
Dabei geht es Müller nicht um klassische Naturfotografie. Seltene oder bereits ausgestorbene Vogelarten, Insekten, Reptilien und Amphibien werden von ihm aufwendig inszeniert und teilweise wie Persönlichkeiten porträtiert. Durch Dunkelheit, gezielt gesetztes Licht, intensive Farben oder extreme Vergrößerungen entstehen Bilder, die zunächst durch ihre Ästhetik faszinieren. Erst bei genauerer Betrachtung offenbart sich die eigentliche Botschaft der Arbeiten.
Ein zentraler Begriff der Ausstellung ist „Neglect“. In der Medizin beschreibt er eine Wahrnehmungsstörung, bei der Teile der Umgebung nicht mehr bewusst wahrgenommen werden. Müller überträgt diesen Gedanken auf unseren Umgang mit der Natur: Vieles ist unmittelbar um uns herum vorhanden, wird von uns jedoch kaum noch gesehen oder als selbstverständlich betrachtet.
Der Titel „Equilibrium“ bedeutet Gleichgewicht. Gemeint ist das fragile Gleichgewicht innerhalb der Natur und zwischen Mensch und Umwelt. Müllers Fotografien zeigen deshalb nicht nur die außergewöhnliche Schönheit von Tieren und Pflanzen. Sie stellen gleichzeitig die Frage, was geschieht, wenn der Mensch dieses Gleichgewicht durch sein Handeln immer weiter verändert.
Die Ausstellung funktioniert dabei weniger über den erhobenen Zeigefinger als über Faszination. Müller macht das Übersehene sichtbar, vergrößert das Kleine und gibt dem scheinbar Unbedeutenden eine Bühne. Seine Bilder laden dazu ein, genauer hinzusehen – und darüber nachzudenken, welchen Wert etwas für uns besitzt, bevor es möglicherweise verschwunden ist.